MUSIK***

Musik.
Das klassische Repertoire des trio.s ist breitgefächert. Neben Oper, Neue Musik und Improvisationen entstanden in den letzten Jahren auch die ersten Original-Kompositionen für die außergewöhnliche Besetzung bestehend aus Mezzosopran, Alt und Akkordeon. Die besondere Liebe der drei Musiker gilt jedoch dem Kunst- und Volkslied, wobei die tiefen Stimmlagen der beiden Sängerinnen hierbei das Betreten neuer Wege erfordert. Das zweistimmige Arrangieren original einstimmiger Lieder ist dabei ins Zentrum der musikalischen Arbeit des vielseitigen Trios gerückt und bildet in Kombination mit zeitgenössischen Werken den Kern des trio.s-Repertoires. Mit großer Experimentierfreude und immer auf der Suche nach passenden Ausdrucksmöglichkeiten widmen sich die drei Musiker hierbei nicht nur Lied-Duetten, die ursprünglich für zwei höhere Stimmen komponiert wurden, sondern suchen gezielt nach Sololiedern oder ganzen Liedzyklen, um diese in ihre eigene Tonsprache zu übersetzen. Das Akkordeon als atmendes Instrument, mit seinem riesigen Klangspektrum versteht sich innerhalb des Trios als Fundament, Bindebogen und dritte Solostimme.

Sprache.
Durch die sehr persönlich gestaltete Moderation der Künstler zwischen den Stücken werden emotionale Bilder geöffnet. Aus Sprache und Musik ergeben sich Kurzgeschichten, die jedoch keiner dramaturgischen Abfolge unterliegen. Es entsteht ein Zugang zur Musik, der für alle gleichermaßen funktioniert, da der Fokus nicht auf dem trockenen Vermitteln von musiktheoretischen oder musikgeschichtlichen Inhalten liegt, sondern die Zuhörer auf der emotionalen Ebene abholt. Trotzdem kommen Hintergrundinformationen zum Stück oder zum Komponisten nicht zu kurz, stets jedoch ohne erhobenen Zeigefinger und charmant verpackt.

Raum.
Der Konzertraum ist in der Idee des trio.s auf den ersten Blick ein Raum ohne sichtbare Bühne. Räumliche Grenzen, oftmals verursacht durch eine klassisch frontale Bühnen-Publikumssituation werden aufgelöst. Somit bestimmen Nähe, kleine Distanzen und das Aufbauen von Räumen und Situationen durch das Publikum das Konzertgeschehen. Geplante Positionswechsel der Konzertbesucher innerhalb eines Konzerterlebnisses schaffen immer wieder neue Räume, neue Hörsituationen.

Rezipient.
Das Publikum wird durch die räumliche Veränderung, durch das gemeinsame Singen und durch die interaktive Moderation selbst zum Akteur bzw. maßgeblichen Bestandteil des interaktiv-emotionalen Musik-/Konzerterlebnisses. Trotzdem bleibt Raum um sich Zurückzuziehen, um sich ganz dem Hörerlebnis zu widmen.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Idee eines Formats mit unmittelbar erfahrbarer klassischer Musik, durch Nähe zum Publikum und der Möglichkeit als Rezipient Teil des Konzertes zu werden, für die unterschiedlichsten Rezipientengruppen funktioniert.

Format.
Musik, Sprache, Raum und Rezipient verbinden sich zu innovativen, interdisziplinären Aufführungskonzepten, die durch neue Hör- und Raumsituationen erweiterte Wahrnehmungsperspektiven im Konzert generieren und ein ganzheitliches Musikerleben ermöglichen. Eine maßgebliche Rolle hierbei spielt die Auseinandersetzung und Suche nach konkreten Transmittern, die jedem Menschen ureigen sind. Dabei geht es nicht um eine Eventisierung eines Kulturereignisses, sondern um die zeitgemäße Weiterentwicklung von Kunstformen, insbesondere denen der klassischen Musik hinsichtlich ihrer Präsentationsart und Wahrnehmung.

melaTONin. Ein musikalisch-räumlicher Schlafzyklus

In MelaTONin wird das erlebbar, was sonst im Dunkeln liegt. Jeder Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens im Schlaf. Nacht für Nacht tauchen wir in einen unbekannten, rätselhaften und zuweilen beängstigenden Zustand ein. Aber was genau geschieht mit uns wenn wir schlafen? Warum schlafen wir überhaupt? Diese Fragen gehören wohl zu den ältesten der Menschheit. Während wir äußerlich friedlich schlummern und in unseren Träumen fantastische Welten erkunden, beginnt in unserem Inneren ein außergewöhnlicher Prozess, der in jeder Nacht der gleichen Dramaturgie folgt. Im Schlaf durchleben wir mehrere 75 bis 90 Minuten lange Zyklen aus Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf. Um jedoch überhaupt in diese Schlafphasen eintauchen zu können, benötigen wir die Produktion eines bestimmten Hormons, das den menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus steuert. 

Das Schlafhormon. Melatonin.

In MelaTONin durchlebt das Publikum einen Schlafzyklus mit all seinen Phasen. Einschlaf-, Leichtschlaf-, Tiefschlaf- und REM-Phase werden übersetzt in eine außergewöhnliche Konzertinstallation aus Raum, Klang, Text und Videokunst. Dabei verbinden sich Volks- und Kunstlieder – passend zur jeweiligen Schlafphase und speziell für die außergewöhnliche Besetzung bestehend aus zwei tiefen Frauenstimmen und Akkordeon arrangiert – mit zeitgenössischen Akkordeonwerken, Lyrik und Texten aus der Schlafforschung zu einem ganzheitlichen Aufführungskonzept. Raumfüllende bis raumauflösende Videoinstallationen (Videokunst: Manuela Hartel), mal schemenhaft gezeichnet oder verstörend real, schaffen dabei die Verschmelzung zwischen Klang und Raum und eröffnen neue Möglichkeiten des Hörens und des Wahrnehmens.